12.11.2016 |

36. Martini-Cup in Sursee

Der 36. Martini-Cup in der Stadthalle Sursee war leider der letzte. Mit ihm endete nicht nur die Saison, sondern auch die Austragung dieses beliebten Sitzballturniers. Die einheimische Mannschaft konnte sich nicht mit einem Sieg verabschieden, dieser ging nach Deutschland.

Obwohl Winterthur und Thurgau aufgrund personeller Engpässe absagten, waren nebst Pforzheim und Ulm-Söflingen aus Deutschland sechs Schweizer Teams am Start. Die erst im Frühling gegründete Sitzballgruppe Limmattal konnte zwei Mannschaften stellen, und die zwei Söhne von Organisator Walter Widmer scharten eine Gruppe junger Unbehinderter um sich, genannt Widmer Brothers. Diese fünf jungen Leute zeigten einige schöne Spielzüge, doch fehlte ihnen natürlich die Routine.

Die VSG Pforzheim, ein deutsches Topteam, reiste zwar nicht in Bestbesetzung nach Sursee, war aber dennoch stark genug, den 36. und letzten Martini-Cup für sich zu entscheiden. Pech für die Gastgeber, die sich gerne mit einem Sieg von der Sitzball-Bühne verabschiedet hätten. Doch das letzte Spiel, sozusagen die Finalpartie, ging mit 18:27 verloren. Knapper war die Entscheidung zwischen Ulm-Söflingen und Olten. Die Deutschen, mit dem Winterthurer Adrian Köppel als Schlagmann, siegten mit 20:19. Dies trug ihnen den 3. Platz ein. Olten fiel mit dieser Niederlage noch hinter Limmattal 1 zurück. Den athletischen Afghanen unterlagen die Solothurner in ihrem Eröffnungsspiel.

Die zweite Truppe von Limmattal spielte mit Heinz Lutz und dem Thurgauer Marcel Knellwolf und sicherte sich mit zwei Siegen den 6. Platz. Die Widmer Brothers trotzten in ihrem ersten Einsatz Ulm-Söflingen ein Unentschieden ab und siegten gegen St. Gallen denkbar knapp mit 19:18. Die Ostschweizer mussten auf ihren Schlagmann Reto Nieuwenhout verzichten – aus freudigem Anlass: Er wurde wenige Tage zuvor Vater.

Vielleicht das letzte seiner Art

Speaker Peter Brunner tönte es schon in der Halle an, definitiv mitgeteilt wurde es dann durch Vereinspräsident Peter Ziegler an der Siegerehrung im Restaurant Brauerei: Der 36. Martini-Cup war leider der letzte. Walter Widmer bekannte: «Ich habe das Turnier 30 Mal organisiert. Nun bin ich irgendwie ausgelaugt.» Verständlich, aber auch schade. Und es kommt noch dicker. Die Sitzballgruppe Sursee zieht sich zurück. Zuletzt waren oftmals einfach zu wenig Leute anwesend, um ein geordnetes Training zu absolvieren. Ein herber Verlust für die Schweizer Sitzballszene. Nicht nur quantitativ, sondern vor allem qualitativ. Denn die Luzerner waren in den letzten Jahren klar die stärkste Mannschaft.

Da drängt sich die Frage auf: War das diesjährige Turnier in Sursee vielleicht das letzte seiner Art in der Schweiz? 2016 wurden in der Schweiz drei Turniere ausgetragen. Nebst Sursee waren dies die beiden Ostschweizer Wettkämpfe in St. Gallen und Frauenfeld. Die St. Galler organisieren nur jedes zweite Jahr ein Turnier. Die Thurgauer kämpfen mit grossen Personalsorgen. Und wer nimmt noch die Mühe auf sich, einen solchen Anlass zu organisieren, wenn es bald keine Mannschaften mehr gibt?

Noch ist die Schweizer Sitzballszene nicht tot, aber sie ist tatsächlich schwer krank.

Rang  Mannschaft  Punkte
1.  Pforzheim (D)  14
2.  Sursee (CH) 12
3.  Ulm-Söflingen (D)  9
4.  Limmattal 1 (CH) 8
5.  Olten (CH) 6
6.  Limmattal (2) 4
7. Widmer-Brothers (CH)  3
8.  St. Gallen (CH) 0

 

Text und Bilder: Albert Büchi

 

Die besten Schweizer Schlagmänner: Urs Casanova (Sursee) gegen Marcel Ragaz (Olten)

 

Derby zwischen den Mannschaften Limmattal 1 und 2

 

Organisator, Spieler und Schiedsrichter: Walter Widmer ist ein vielseitiger Mann

 

Die VSG Pforzheim gewann den letzten Martini-Cup

 

Adrian Köppel (Ulm, am Ball) gegen den Mücke genannten Schlagmann von Pforzheim

 

Derby der Einheimischen: Sursee gegen Widmer Brothers

 

Walter Widmer, Walter Filliger, Urs Casanova, Adrian Koch, Thomas Lötscher,
Peter Schöpfer und Ehrendame Christine Meyer verabschieden sich von der Sitzballszene

 

Der St. Galler Urs Künzler für einmal in der Rolle als Schlagmann

 

Sylvan und André Widmer bereicherten mit ihrem Team das Abschiedsturnier