14.10.2013 |

Die Schweiz erreicht wieder den 3. Rang in Kigali/Ruanda

Die Schweizer Auswahl hat am Sitzball Weltcup in Ruanda eher unerwartet den dritten Platz von Uganda 2010 verteidigt. Denn Titel holte sich Deutschland mit einem denkbar knappen Sieg über Titelverteidiger Ruanda.

Aus der Mannschaft, die 2010 in der ugandischen Hauptstadt Kampala den dritten Platz belegte, hatten sich Walter Widmer und Peter Schöpfer verabschiedet. Leider war es nicht möglich, die beiden Routiniers durch versierte Spieler zu ersetzen. Die Schweiz reiste deshalb mit den unerfahrenen Thomas Brawand und Sebastian Wuth nach Afrika. Sie bildeten zusammen mit Albert Büchi die Abwehr. Marcel Knellwolf wechselte von der Verteidigung in den Angriff, als Partner von Heinz Lutz. Thomas Lötscher übernahm als Captain wiederum die Mittelposition. Doch dieses „Verlegenheitsteam“ schlug sich beachtlich.

Der Schweiz fiel die Ehre zu, den Weltcup am Freitagnachmittag, 11. Oktober zu eröffnen. Gegner war Burundi, also jene Mannschaft, gegen welche die Schweizer vor drei Jahren den kleinen Final bestritten. Die Afrikaner leisteten erbitterten Widerstand, unterlagen schliesslich nur gerade mit 20:21. Zum ersten Mal dabei war Kenia. Dieses Team spielte nach eigenen Aussagen erst seit zwei Wochen Sitzball. Die Spieler kamen aber aus der Sitzvolleyball-Szene, an Ballgefühl mangelte es also nicht. Die Schweiz gewann 27:21.

Deutlich anstrengender gestaltete sich die Partie gegen Uganda, den WM-Fünften von 2010. Aber die Eidgenossen konnten mit 24:22 zwei weitere Punkte einspielen. Im letzten Match am ersten Spieltag massen sich die Schweizer mit der Demokratischen Republik Kongo, der sie mit 26:16 eine klare Niederlage beifügten.

Harte Brocken am Samstag

Mit diesen acht Punkten aus vier Partien hatte die Schweiz die Halbfinalqualifikation bereits auf sicher. Am Samstagmorgen – Turnierstart war schon um 8 Uhr – warteten die beiden stärksten Teams auf die Schweiz. Gegen Weltmeister Ruanda fielen die Europäer aber keineswegs ab und unterlagen mit lediglich vier Punkten Differenz 26:30. Keine Chancen hatten sie allerdings gegen die andere „Muzungu-Mannschaft“ (Weisse). Deutschland dominierte mit 29:17 ganz klar.

Nach einem rund dreistündigen Unterbruch und einem gemeinsamen Mittagessen traten die vier besten Teams am Samstagnachmittag zu den Halbfinals an. Hier bekamen es die Schweizer erneut mit Gastgeber Ruanda zu tun. Unter ohrenbetäubendem Lärm und angefeuert von über 1000 Anhängern legten die Afrikaner einen Zacken zu und schlugen die Schweiz 28:21. Im anderen Halbfinal triumphierte Deutschland über Uganda.

Das Spiel um Platz drei begann für die Schweizer nicht sehr erfreulich. Uganda legte stark vor und bei Halbzeit schien die Sache schon fast gegessen zu sein. Doch die Schweizer gaben nicht auf, kämpften sich mit viel Einsatz nochmals heran und erzwangen eine Verlängerung. Nun war der Widerstand der Afrikaner gebrochen und die Schweiz sicherte sich mit 38:32 letztlich doch noch überzeugend die Bronzemedaille.

Fantastische Werbung für den Sitzballsport bot der Final.
Deutschland und Ruanda waren zwei gleichwertige Gegner. Hin und her wogte der Kampf, kein Team konnte sich absetzen. Logische Konsequenz war, dass es auch hier zu einer Verlängerung kam. Diese zweimal drei Minuten brachten noch immer keine Entscheidung. In der zweiten Verlängerung gelang Deutschland dann der alles entscheidende Punkt. Mit 48:47 entrissen die Deutschen Ruanda den Weltmeistertitel.

Ein grosser Moment also bei der Siegerehrung für das bunt zusammengewürfelte Schweizer Team, als die Bronzemedaillen überreicht wurden. Bei der Auszeichnung der besten Teilnehmer waren die Finalgegner unter sich. Die Deutschen Yves Heinig und André Bauhofer wurden als bester Spieler bzw. bester Verteidiger geehrt, die Ruandi Dominique Bizimana und Jean Bosco Ngizwenimana als bester Passeur bzw. bester Schläger. Anzumerken ist, dass die Schweizer im Durchschnitt doch um einiges älter waren als ihre Gegner.

Rangliste:
1. Deutschland
2. Ruanda
3. Schweiz
4. Uganda
5. Burundi
6. Kongo
7. Kenia

Eindrückliches Erlebnis

Für die Schweizer Delegation (und auch die deutsche) war dieser Weltcup in Ruanda ein eindrückliches Erlebnis. Die Europäer trafen bereits am Sonntag vor dem Turnier in Kigali ein. So blieb noch genügend Zeit, sich zu akklimatisieren und sich im „Land der Tausend Hügel“ umzusehen.

Am Donnerstag wurde die Delegation in der Schweizer Botschaft (respektive DEZA-Büro) empfangen, die den Weltcup übrigens mit einer grosszügigen Spende unterstützte. Dann war ein erstes Training im Amahoro-Stadion angesagt, auf einem harten und nicht überaus sauberen Boden.

Wir Europäer, die unsere Turniere meistens vor praktisch leeren Zuschauerrängen austragen, kamen an den beiden Turniertagen kaum noch aus dem Staunen heraus. Sowohl am Freitag als auch am Samstag (mindestens am Nachmittag) war das Stadion voll besetzt und es herrschte eine unglaubliche Stimmung. Einige Fans hatten sich geschminkt oder maskiert und machten mit Vuvuzelas und Trommeln viel Krach. Die Spieler wurden beim Betreten des Spielfeldes namentlich vorgestellt, gute Aktionen mit Applaus belohnt. Ein herrliches Gefühl. Die Wertschätzung der Behindertensportler zeigte sich auch darin, dass wir auf der Strasse oft angesprochen wurden: „Spielst du Sitzball? Ich habe dich im TV gesehen.“ Und das in einer Stadt mit etwa drei Millionen Einwohner! Die Finalspiele wurden live im staatlichen Fernsehen übertragen, von den übrigen Partien gab es Aufzeichnungen. Auch die Presse berichtete grosszügig. Unglaublich.

Als Belohnung für den sportlichen Einsatz gönnten sich Deutsche und Schweizer einen Abstecher in den Akagera Nationalpark. Auf einer längeren Fahrt durch den Park konnten Affen, Giraffen, Antilopen, Impalas, Zebras, Flusspferde, Warzenschweine und natürlich viele Vögel gesichtet werden.

Die Deutschen sowie Marcel Knellwolf und Thomas Lötscher verliessen Ruanda am Dienstagabend. Der Rest der Schweizer Delegation hängte noch ein paar Ferientage an. Nebst Ausflügen an weitere Seen, davon gibt es viele in Ruanda, befassten wir uns dabei auch mit der jüngeren Geschichte des ostafrikanischen Landes. Was man in Museen und Gedenkstätten über den Genozid von 1994 erfährt, schlägt allerdings stark auf den Magen, gehört irgendwie aber auch dazu. Alles in allem überwiegen aber die positiven Erinnerungen. Während des ganzen Aufenthaltes konnten wir übrigens auf die Dienste des NPC (National Paralympic Comitee of Ruanda) zählen.

Wer sich ein Bild vom Weltcup in Kigali machen will, dem sei folgender Link empfohlen:

http://vimeo.com/77224936

Video vom Finalspiel

 

Albert Büchi

 

Eine Grusskarte erreichte den SSBV Präsidenten. Danke.

Die Schweizer Auswahl hat am Sitzball Weltcup in Ruanda eher unerwartet den dritten Platz von Uganda 2010 verteidigt. Denn Titel holte sich Deutschland mit einem denkbar knappen Sieg über Titelverteidiger Ruanda.

Aus der Mannschaft, die 2010 in der ugandischen Hauptstadt Kampala den dritten Platz belegte, hatten sich Walter Widmer und Peter Schöpfer verabschiedet. Leider war es nicht möglich, die beiden Routiniers durch versierte Spieler zu ersetzen. Die Schweiz reiste deshalb mit den unerfahrenen Thomas Brawand und Sebastian Wuth nach Afrika. Sie bildeten zusammen mit Albert Büchi die Abwehr. Marcel Knellwolf wechselte von der Verteidigung in den Angriff, als Partner von Heinz Lutz. Thomas Lötscher übernahm als Captain wiederum die Mittelposition. Doch dieses „Verlegenheitsteam“ schlug sich beachtlich.

Der Schweiz fiel die Ehre zu, den Weltcup am Freitagnachmittag, 11. Oktober zu eröffnen. Gegner war Burundi, also jene Mannschaft, gegen welche die Schweizer vor drei Jahren den kleinen Final bestritten. Die Afrikaner leisteten erbitterten Widerstand, unterlagen schliesslich nur gerade mit 20:21. Zum ersten Mal dabei war Kenia. Dieses Team spielte nach eigenen Aussagen erst seit zwei Wochen Sitzball. Die Spieler kamen aber aus der Sitzvolleyball-Szene, an Ballgefühl mangelte es also nicht. Die Schweiz gewann 27:21.

Deutlich anstrengender gestaltete sich die Partie gegen Uganda, den WM-Fünften von 2010. Aber die Eidgenossen konnten mit 24:22 zwei weitere Punkte einspielen. Im letzten Match am ersten Spieltag massen sich die Schweizer mit der Demokratischen Republik Kongo, der sie mit 26:16 eine klare Niederlage beifügten.

Harte Brocken am Samstag

Mit diesen acht Punkten aus vier Partien hatte die Schweiz die Halbfinalqualifikation bereits auf sicher. Am Samstagmorgen – Turnierstart war schon um 8 Uhr – warteten die beiden stärksten Teams auf die Schweiz. Gegen Weltmeister Ruanda fielen die Europäer aber keineswegs ab und unterlagen mit lediglich vier Punkten Differenz 26:30. Keine Chancen hatten sie allerdings gegen die andere „Muzungu-Mannschaft“ (Weisse). Deutschland dominierte mit 29:17 ganz klar.

Nach einem rund dreistündigen Unterbruch und einem gemeinsamen Mittagessen traten die vier besten Teams am Samstagnachmittag zu den Halbfinals an. Hier bekamen es die Schweizer erneut mit Gastgeber Ruanda zu tun. Unter ohrenbetäubendem Lärm und angefeuert von über 1000 Anhängern legten die Afrikaner einen Zacken zu und schlugen die Schweiz 28:21. Im anderen Halbfinal triumphierte Deutschland über Uganda.

Das Spiel um Platz drei begann für die Schweizer nicht sehr erfreulich. Uganda legte stark vor und bei Halbzeit schien die Sache schon fast gegessen zu sein. Doch die Schweizer gaben nicht auf, kämpften sich mit viel Einsatz nochmals heran und erzwangen eine Verlängerung. Nun war der Widerstand der Afrikaner gebrochen und die Schweiz sicherte sich mit 38:32 letztlich doch noch überzeugend die Bronzemedaille.

Fantastische Werbung für den Sitzballsport bot der Final.
Deutschland und Ruanda waren zwei gleichwertige Gegner. Hin und her wogte der Kampf, kein Team konnte sich absetzen. Logische Konsequenz war, dass es auch hier zu einer Verlängerung kam. Diese zweimal drei Minuten brachten noch immer keine Entscheidung. In der zweiten Verlängerung gelang Deutschland dann der alles entscheidende Punkt. Mit 48:47 entrissen die Deutschen Ruanda den Weltmeistertitel.

Ein grosser Moment also bei der Siegerehrung für das bunt zusammengewürfelte Schweizer Team, als die Bronzemedaillen überreicht wurden. Bei der Auszeichnung der besten Teilnehmer waren die Finalgegner unter sich. Die Deutschen Yves Heinig und André Bauhofer wurden als bester Spieler bzw. bester Verteidiger geehrt, die Ruandi Dominique Bizimana und Jean Bosco Ngizwenimana als bester Passeur bzw. bester Schläger. Anzumerken ist, dass die Schweizer im Durchschnitt doch um einiges älter waren als ihre Gegner.

Rangliste:
1. Deutschland
2. Ruanda
3. Schweiz
4. Uganda
5. Burundi
6. Kongo
7. Kenia

Eindrückliches Erlebnis

Für die Schweizer Delegation (und auch die deutsche) war dieser Weltcup in Ruanda ein eindrückliches Erlebnis. Die Europäer trafen bereits am Sonntag vor dem Turnier in Kigali ein. So blieb noch genügend Zeit, sich zu akklimatisieren und sich im „Land der Tausend Hügel“ umzusehen.

Am Donnerstag wurde die Delegation in der Schweizer Botschaft (respektive DEZA-Büro) empfangen, die den Weltcup übrigens mit einer grosszügigen Spende unterstützte. Dann war ein erstes Training im Amahoro-Stadion angesagt, auf einem harten und nicht überaus sauberen Boden.

Wir Europäer, die unsere Turniere meistens vor praktisch leeren Zuschauerrängen austragen, kamen an den beiden Turniertagen kaum noch aus dem Staunen heraus. Sowohl am Freitag als auch am Samstag (mindestens am Nachmittag) war das Stadion voll besetzt und es herrschte eine unglaubliche Stimmung. Einige Fans hatten sich geschminkt oder maskiert und machten mit Vuvuzelas und Trommeln viel Krach. Die Spieler wurden beim Betreten des Spielfeldes namentlich vorgestellt, gute Aktionen mit Applaus belohnt. Ein herrliches Gefühl. Die Wertschätzung der Behindertensportler zeigte sich auch darin, dass wir auf der Strasse oft angesprochen wurden: „Spielst du Sitzball? Ich habe dich im TV gesehen.“ Und das in einer Stadt mit etwa drei Millionen Einwohner! Die Finalspiele wurden live im staatlichen Fernsehen übertragen, von den übrigen Partien gab es Aufzeichnungen. Auch die Presse berichtete grosszügig. Unglaublich.

Als Belohnung für den sportlichen Einsatz gönnten sich Deutsche und Schweizer einen Abstecher in den Akagera Nationalpark. Auf einer längeren Fahrt durch den Park konnten Affen, Giraffen, Antilopen, Impalas, Zebras, Flusspferde, Warzenschweine und natürlich viele Vögel gesichtet werden.

Die Deutschen sowie Marcel Knellwolf und Thomas Lötscher verliessen Ruanda am Dienstagabend. Der Rest der Schweizer Delegation hängte noch ein paar Ferientage an. Nebst Ausflügen an weitere Seen, davon gibt es viele in Ruanda, befassten wir uns dabei auch mit der jüngeren Geschichte des ostafrikanischen Landes. Was man in Museen und Gedenkstätten über den Genozid von 1994 erfährt, schlägt allerdings stark auf den Magen, gehört irgendwie aber auch dazu. Alles in allem überwiegen aber die positiven Erinnerungen. Während des ganzen Aufenthaltes konnten wir übrigens auf die Dienste des NPC (National Paralympic Comitee of Ruanda) zählen.

Wer sich ein Bild vom Weltcup in Kigali machen will, dem sei folgender Link empfohlen:

http://vimeo.com/77224936

Video vom Finalspiel

 

Albert Büchi

 

Eine Grusskarte erreichte den SSBV Präsidenten. Danke.

 

 

 

Die Schweizer Auswahl hat am Sitzball Weltcup in Ruanda eher unerwartet den dritten Platz von Uganda 2010 verteidigt. Denn Titel holte sich Deutschland mit einem denkbar knappen Sieg über Titelverteidiger Ruanda.

Aus der Mannschaft, die 2010 in der ugandischen Hauptstadt Kampala den dritten Platz belegte, hatten sich Walter Widmer und Peter Schöpfer verabschiedet. Leider war es nicht möglich, die beiden Routiniers durch versierte Spieler zu ersetzen. Die Schweiz reiste deshalb mit den unerfahrenen Thomas Brawand und Sebastian Wuth nach Afrika. Sie bildeten zusammen mit Albert Büchi die Abwehr. Marcel Knellwolf wechselte von der Verteidigung in den Angriff, als Partner von Heinz Lutz. Thomas Lötscher übernahm als Captain wiederum die Mittelposition. Doch dieses „Verlegenheitsteam“ schlug sich beachtlich.

Der Schweiz fiel die Ehre zu, den Weltcup am Freitagnachmittag, 11. Oktober zu eröffnen. Gegner war Burundi, also jene Mannschaft, gegen welche die Schweizer vor drei Jahren den kleinen Final bestritten. Die Afrikaner leisteten erbitterten Widerstand, unterlagen schliesslich nur gerade mit 20:21. Zum ersten Mal dabei war Kenia. Dieses Team spielte nach eigenen Aussagen erst seit zwei Wochen Sitzball. Die Spieler kamen aber aus der Sitzvolleyball-Szene, an Ballgefühl mangelte es also nicht. Die Schweiz gewann 27:21.

Deutlich anstrengender gestaltete sich die Partie gegen Uganda, den WM-Fünften von 2010. Aber die Eidgenossen konnten mit 24:22 zwei weitere Punkte einspielen. Im letzten Match am ersten Spieltag massen sich die Schweizer mit der Demokratischen Republik Kongo, der sie mit 26:16 eine klare Niederlage beifügten.

Harte Brocken am Samstag

Mit diesen acht Punkten aus vier Partien hatte die Schweiz die Halbfinalqualifikation bereits auf sicher. Am Samstagmorgen – Turnierstart war schon um 8 Uhr – warteten die beiden stärksten Teams auf die Schweiz. Gegen Weltmeister Ruanda fielen die Europäer aber keineswegs ab und unterlagen mit lediglich vier Punkten Differenz 26:30. Keine Chancen hatten sie allerdings gegen die andere „Muzungu-Mannschaft“ (Weisse). Deutschland dominierte mit 29:17 ganz klar.

Nach einem rund dreistündigen Unterbruch und einem gemeinsamen Mittagessen traten die vier besten Teams am Samstagnachmittag zu den Halbfinals an. Hier bekamen es die Schweizer erneut mit Gastgeber Ruanda zu tun. Unter ohrenbetäubendem Lärm und angefeuert von über 1000 Anhängern legten die Afrikaner einen Zacken zu und schlugen die Schweiz 28:21. Im anderen Halbfinal triumphierte Deutschland über Uganda.

Das Spiel um Platz drei begann für die Schweizer nicht sehr erfreulich. Uganda legte stark vor und bei Halbzeit schien die Sache schon fast gegessen zu sein. Doch die Schweizer gaben nicht auf, kämpften sich mit viel Einsatz nochmals heran und erzwangen eine Verlängerung. Nun war der Widerstand der Afrikaner gebrochen und die Schweiz sicherte sich mit 38:32 letztlich doch noch überzeugend die Bronzemedaille.

Fantastische Werbung für den Sitzballsport bot der Final.
Deutschland und Ruanda waren zwei gleichwertige Gegner. Hin und her wogte der Kampf, kein Team konnte sich absetzen. Logische Konsequenz war, dass es auch hier zu einer Verlängerung kam. Diese zweimal drei Minuten brachten noch immer keine Entscheidung. In der zweiten Verlängerung gelang Deutschland dann der alles entscheidende Punkt. Mit 48:47 entrissen die Deutschen Ruanda den Weltmeistertitel.

Ein grosser Moment also bei der Siegerehrung für das bunt zusammengewürfelte Schweizer Team, als die Bronzemedaillen überreicht wurden. Bei der Auszeichnung der besten Teilnehmer waren die Finalgegner unter sich. Die Deutschen Yves Heinig und André Bauhofer wurden als bester Spieler bzw. bester Verteidiger geehrt, die Ruandi Dominique Bizimana und Jean Bosco Ngizwenimana als bester Passeur bzw. bester Schläger. Anzumerken ist, dass die Schweizer im Durchschnitt doch um einiges älter waren als ihre Gegner.

Rangliste:
1. Deutschland
2. Ruanda
3. Schweiz
4. Uganda
5. Burundi
6. Kongo
7. Kenia

Eindrückliches Erlebnis

Für die Schweizer Delegation (und auch die deutsche) war dieser Weltcup in Ruanda ein eindrückliches Erlebnis. Die Europäer trafen bereits am Sonntag vor dem Turnier in Kigali ein. So blieb noch genügend Zeit, sich zu akklimatisieren und sich im „Land der Tausend Hügel“ umzusehen.

Am Donnerstag wurde die Delegation in der Schweizer Botschaft (respektive DEZA-Büro) empfangen, die den Weltcup übrigens mit einer grosszügigen Spende unterstützte. Dann war ein erstes Training im Amahoro-Stadion angesagt, auf einem harten und nicht überaus sauberen Boden.

Wir Europäer, die unsere Turniere meistens vor praktisch leeren Zuschauerrängen austragen, kamen an den beiden Turniertagen kaum noch aus dem Staunen heraus. Sowohl am Freitag als auch am Samstag (mindestens am Nachmittag) war das Stadion voll besetzt und es herrschte eine unglaubliche Stimmung. Einige Fans hatten sich geschminkt oder maskiert und machten mit Vuvuzelas und Trommeln viel Krach. Die Spieler wurden beim Betreten des Spielfeldes namentlich vorgestellt, gute Aktionen mit Applaus belohnt. Ein herrliches Gefühl. Die Wertschätzung der Behindertensportler zeigte sich auch darin, dass wir auf der Strasse oft angesprochen wurden: „Spielst du Sitzball? Ich habe dich im TV gesehen.“ Und das in einer Stadt mit etwa drei Millionen Einwohner! Die Finalspiele wurden live im staatlichen Fernsehen übertragen, von den übrigen Partien gab es Aufzeichnungen. Auch die Presse berichtete grosszügig. Unglaublich.

Als Belohnung für den sportlichen Einsatz gönnten sich Deutsche und Schweizer einen Abstecher in den Akagera Nationalpark. Auf einer längeren Fahrt durch den Park konnten Affen, Giraffen, Antilopen, Impalas, Zebras, Flusspferde, Warzenschweine und natürlich viele Vögel gesichtet werden.

Die Deutschen sowie Marcel Knellwolf und Thomas Lötscher verliessen Ruanda am Dienstagabend. Der Rest der Schweizer Delegation hängte noch ein paar Ferientage an. Nebst Ausflügen an weitere Seen, davon gibt es viele in Ruanda, befassten wir uns dabei auch mit der jüngeren Geschichte des ostafrikanischen Landes. Was man in Museen und Gedenkstätten über den Genozid von 1994 erfährt, schlägt allerdings stark auf den Magen, gehört irgendwie aber auch dazu. Alles in allem überwiegen aber die positiven Erinnerungen. Während des ganzen Aufenthaltes konnten wir übrigens auf die Dienste des NPC (National Paralympic Comitee of Ruanda) zählen.

Wer sich ein Bild vom Weltcup in Kigali machen will, dem sei folgender Link empfohlen:

http://vimeo.com/77224936

Video vom Finalspiel

 

Albert Büchi

 

Eine Grusskarte erreichte den SSBV Präsidenten. Danke.

 Das Schweizer Team: hinten Sebastian Wuth, Thomas Lötscher,
Thomas Brawand;  vorne Albert Büchi, Heinz Lutz, Marcel Knellwolf (jeweils von links)

 

Die Fans waren laut und schrill

 

Marcel Knellwolf im Eröffnungsspiel gegen Burundi

 

Die Schweizer Botschaft unterstützte das Turnier mit einem namhaften Beitrag

 

Zwischendurch waren Tanzvorführungen zu bewundern

 

Szene aus dem kleinen Final gegen Uganda

 

Besuch einer Insel im Kivusee

 

Durstige Giraffe im Akagera Nationalpark

 

Unser Hotel im Akagera Nationalpark