25.03.2013 |

Delegiertenversammlung

Die Nachfolge für den zurücktretenden Präsidenten Paul Probst konnte nicht geregelt werden. Dies ist die wichtigste Erkenntnis der Delegiertenversammlung der Schweizerischen Sitzballvereinigung (SSBV), die am 23. März in Bellikon stattfand.

Gleich zu Beginn der Sitzung, die diesmal am Samstagvormittag in der Reha Bellikon durchgeführt wurde, legte Paul Probst seine Gründe für den Rücktritt dar. Zuvorderst steht seine Krankheit, die ihn physisch und psychisch fordert. Zu schaffen machten ihm im letzten Jahr aber auch Vorkommnisse anlässlich des Europapokal-Turniers, das Olten durchgeführt hatte, weil sich sonst kein Organisator fand. Wegen eines krankheitsbedingten Ausfalls eines Spielers der Deutschen Nationalmannschaft kam es zu Unstimmigkeiten mit dem Landesverband Sachsen, der danach Paul Probst schwere
Vorwürfe machte. Ausserdem beschwerten sich die Österreicher über die Schiedsrichterleistungen und drohten, sich nicht mehr am Europapokal zu beteiligen. Dies habe ihm sehr zugesetzt, schilderte Paul Probst.

Die Behinderten-Sportgruppe Olten sei immer wieder eingesprungen, wenn Deutschland oder Österreich kein Turnier organisieren konnten.

Er musste auch mitteilen, dass dieses Jahr kein Europameisterschaftsturnier stattfinde. Angesichts der Absage der Österreicher möchte der Landesverband Nordrhein-Westfalen auf das vorgesehene Turnier verzichten. Solche Ereignisse nähmen ihm die Freude am Sport, sagte Paul Probst. Deshalb, aber auch auf Anraten der Ärzte, möchte er kürzer treten.

Wie erwartet, zog sich die Wahl eines neuen Präsidenten in die Länge. Freiwillig stellte sich niemand zur Verfügung, und die angefragten Anwesenden lehnten aus nachvollziehbaren Gründen ab. In diesem Zusammenhang wurde gar die Frage gestellt, ob es die SSBV überhaupt noch brauche. Darauf wurde die Befürchtung geäussert, der schon schwer angeschlagene Sitzballsport könnte ohne Vereinigung vollends untergehen.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen wurde die Beratung fortgesetzt. In Betracht gezogen wird, das Präsidium aufzuteilen, damit nicht eine einzelne Person alles allein machen muss. Dem Antrag von Roger Frischknecht (St. Gallen) auf eine Vernehmlassung und eine erneute Sitzung wurde schliesslich zugestimmt. Die ausserordentliche DV findet wiederum in Bellikon statt. Bis 8. Juni sollen alle noch existierenden Clubs erneut angefragt werden, ob sie zur Lösung des Problems beitragen könnten.

Immerhin stellte sich Heinz Lutz (Wohlen) als Nationaltrainer zur Verfügung. Weil dieses Jahr aber keine EM stattfindet, ist dieses Problem weniger akut.

Obwohl Paul Probst noch nicht definitiv zurückgetreten ist, überreichte ihm Vorstandsmitglied Manuela Flückiger seitens der Vereinigung einen reich gefüllten Geschenkkorb und die Urkunde, die bezeugt, dass Probst nun SSBV-Ehrenmitglied ist. Als Vertreter von Plusport bedankte sich Oliver Stejskal bei Probst für seinen immensen Einsatz mit einem Geschenk.

Meisterschaft in Olten

Paul Probst erklärte sich bereit, in Olten die diesjährige Schweizermeisterschaft durchzuführen. Als Datum wurde der 14. September festgesetzt, eine Woche nach dem Mostindien-Turnier in Frauenfeld. Am 9. November macht der Martini-Cup in Sursee den Abschluss des Jahresprogramms. Als Ausrichter der Meisterschaft 2014 wird Sursee (provisorisch) vorgemerkt.

Die nächste DV soll wiederum in Bellikon stattfinden, und zwar am 23. März 2014.

Es hat sich bei solchen Veranstaltungen inzwischen eingebürgert, dass über die Zukunft des Sitzballsports diskutiert wird. Ehrenmitglied Werner Brawand ist der Meinung, dass in Sachen Sitzballregeln derzeit Auswüchse stattfinden, denen Einhalt geboten werden muss. Es ist deshalb ein Runder Tisch mit Vertretern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz geplant. Wichtig sei vor allem die Klassifizierung, auch betreffend Nichtbehinderten. Manuela Flückiger findet, wenn man sich an die bestehenden Regeln halte, hätten die Nichtbehinderten keinen Vorteil. Helmut Hager (Wohlen) warnt davor, dass die Streitigkeiten wegen den Regeln es erschweren, neue Leute anzuwerben.

Der fehlende Nachwuchs ist überhaupt eines der grössten Probleme. Der vor zwei Jahren kreierte Flyer ist sicher ein guter Ansatz, genügt aber bei weitem nicht. Allgemein ist man der Auffassung, dass der persönliche Kontakt zu möglichen „Kandidaten" am ehesten Erfolg verspricht.
Eine Möglichkeit ist, an Turniere Teams aus anderen Sportarten einzuladen. 2012 nahm beispielsweise eine Mannschaft des Turnvereins Sursee am Martini-Cup statt, die nun auch trainiert. Als einziger Club kann Winterthur, das sich Ende 2009 aus Personalmangel vom Turnierbetrieb zurückzog, einen kleinen Erfolg vermelden. Dort hat man in den letzten Monaten drei neue Mitglieder anwerben
können. Hilfreich ist dabei laut Albert Büchi vor allem der Internetauftritt des Vereins.

Filmprojekt und Weltcup

Ende des letzten Jahres erhielten die Sitzballmannschaften eine Anfrage betreffend Dokumentarfilm über Sitzvolleyball. Paul Probst orientierte über den Stand in dieser Angelegenheit. Laut Filmemacherin Nicole Foelsterl geht es um eine Mannschaft aus Bosnien-Herzegowina, in welcher Christen und Muslime gemeinsam spielen, was dort offenbar eine Ausnahme ist. Dies soll mit der Schweiz verglichen werden, wo ja verschiedene Religionen und Kulturen zusammenleben. Im Vordergrund steht also nicht der Sport, sondern das friedliche Zusammenleben. Momentan ist noch offen, ob der Film überhaupt zustande kommt.

Einen internationalen Einsatz wird es dieses Jahr für die Schweiz doch noch geben. Vom 11. bis 13. Oktober wird in Ruanda der Sitball Worldcup ausgetragen, an dem sich die Schweiz mit einer Auswahl beteiligen möchte. Werner Brawand konnte als Präsident der internationalen Vereinigung bereits einige Details zu diesem Turnier bekannt geben.

Text und Fotos: Albert Büchi

 

Stejskal bedankt sich in Namen von Plusport bei Paul Probst

 

Manuela Flückiger überreicht Paul Probst einen Geschenkkorb und die Ehrenmitglied-Urkunde